Kündigung – was nun?

Was müssen Sie tun, wenn der Arbeitgeber Sie gekündigt hat?

Sie sollten sofort handeln – dabei aber nicht in Panik verfallen. Mit dem Tag, an dem Sie die Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses erhalten haben, beginnen Fristen zu laufen.

Dabei kommt es nicht darauf an, ob Sie die Fristen kennen!

Wenn Sie um Ihr gutes Recht kämpfen wollen,müssen Sie entscheiden, ob Sie das Arbeitsverhältnis fortsetzen oder für eine Abfindung streiten wollen. Viele Gekündigte möchten das Arbeitsverhältnis -mit einer Abfindung- beenden, weil sie sich den Ärger ersparen wollen, nach gewonnenem Prozess wieder in den Betrieb zurückzukehren. Wollen Sie während des Kündigungsschutzprozesses weiter im Betrieb arbeiten? Dann muss entsprechend geklagt werden („Weiterbeschäftigungsanspruch”).

Sie merken, das Arbeitsrecht ist mit seinen vielen Vorschriften recht kompliziert. Aber es birgt auch Chancen, zu Ihrem guten Recht zu kommen. Viele Kündigungen sind allein wegen der komplexen Rechtslage unwirksam.

Hier kommen Tipps und Hinweise für Sie. Sie ersetzen aber keine Rechtsberatung. Suchen Sie sich einen im Arbeitsrecht erfahrenen Rechtsanwalt. Ihr Arbeitgeber lässt sich nämlich von Rechtskundigen beraten und vertreten. Und die haben nur ein Ziel: Den Vorteil des Arbeitgebers. Daran ist nichts Anrüchiges. Denn Ihr -guter- Anwalt hat auch nur ein Ziel: Ihnen zu Ihrem Recht zu verhelfen. Und damit wird auf gleicher Augenhöhe verhandelt.

Natürlich kostet ein Anwalt Honorar.

Im Übrigen kostet eine Erstberatung 250€; ein relativ kleiner Betrag im Vergleich zu dem, was für Sie wirtschaftlich auf dem Spiel steht.

Zudem gibt es Möglichkeiten, Geld von Dritten zu erhalten:

  • Als Gewerkschaftsmitglied können Sie sich an Ihre Gewerkschaft wenden und sich die Kosten für einen Anwalt erstatten lassen (das gehört auch zu den Gegen-Leistungen, für die Sie Beiträge gezahlt haben).
  • Oder haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, die den Arbeitsschutz mit einschließt?
  • Wenn Sie kein Geld haben, um den Prozess führen zu können oder den Anwalt zu bezahlen, können Sie Prozesskostenhilfe oder eine Beratungshilfe beantragen. Ihr Anwalt kennt sich da bestens aus und berät Sie entsprechend.

Wichtig! Zunächst aber zeigen Sie bei der zuständigen Bundesarbeitsagentur für Arbeit an, dass Ihnen gekündigt wurden. (Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme und beeinträchtigt Ihre Rechte gegen den Arbeitgeber überhaupt nicht)

Schauen wir uns die Kündigung an, die Sie erhalten haben.

Das Wort „Kündigung” muss im Schreiben nicht vorkommen, aber es muss eindeutig klar sein, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis beenden will und zu welchen Zeitpunkt es enden soll. Bedingungen machen die Kündigung unwirksam. ( Z. B. „Wenn Herr A. noch einmal zu spät kommt, endet das Arbeitsverhältnis am x.x.x. durch Kündigung”. Das ist keine wirksame Kündigung.)

Hat der Chef selbst gekündigt oder nur sein Angestellter? Wenn der Angestellte keine Vollmacht hatte (z.B. im Handelsregister eingetragene Prokura), ist die Kündigung nicht wirksam.

Ist die Kündigung schriftlich erfolgt? An die Schriftform werden verschiedene Anforderungen gestellt. Mündlich ist nicht gültig. E-Mail oder Fax gelten nicht als schriftlich. Ist sie eigenhändig unterschrieben? Unterschriftenstempel genügt der Form nicht.

Die Kündigung darf zu jeder Zeit ausgesprochen werden. Egal, ob Feiertag ist, Sie krank sind oder sich im Urlaub auf Reisen befinden.

Es kommt nämlich nicht darauf an, ob Sie das Schreiben wirklich erhalten haben, sondern ob es -juristendeutsch- „in Ihren Machtbereich als Empfänger gelangt ist”. Wenn der Brief an einem Werktag in Ihrem Briefkasten landet, geht der Gesetzgeber davon aus, dass Sie den Brief am darauf folgenden Werktag erhalten haben.( Anderes gilt bei Einschreiben.)

Wenn Sie ins Personalbüro geladen werden und Ihnen die -schriftliche- Kündigung übergeben wird, gilt sie damit als zugestellt.

Häufig wird dabei der Gekündigte gebeten, die Kündigung zu bestätigen oder ähnliche Formulierungen.

Achtung !

Passen Sie auf: Unterschreiben Sie keine Formulierungen wie Kündigung angenommen oder Ähnliches! (Damit haben Sie auf Ihren Kündigungsschutz verzichtet. Hilfe bringt dann möglicherweise nur eine schwierige „Anfechtung”)

Bestätigen Sie ggf. nur den Empfang des Schreibens.

Achtung! Bei dieser Gelegenheit wird gerne versucht, mit Ihnen einen „Aufhebungsvertrag” zu schließen. Das bedeutet für Sie: Kein Kündigungsschutz mehr! Keine Kündigungsfrist! Keine Beteiligung des Betriebsrates! Risiko: Abeitslosengeldsperre! Die ggf. gezahlte Abfindung muss voll versteuert werden!

Tipp:

Niemals unterschreiben! ( Auch wenn Sie ausnahmsweise Gründe haben, auf einen Aufhebungsvertrag einzugehen. Wenn Ihnen z.B. der Chef nachweisen kann, dass Sie mit Abmahnungen usw. usw. mehrfach „Riesenmist gebaut haben”, so dass eine Kündigung möglicherweise gerechtfertigt wäre.) Die Zeit für eine Beratung sollten Sie sich immer nehmen. Immer!

Der Zeitpunkt, an dem Ihnen die Kündigung zugeht, ist ganz wichtig. Da beginnt nämlich die 3-Wochen-Frist zu laufen. Wenn Sie die „Kündigungsschutzklage” erheben wollen, müssen Sie das innerhalb dieser 3 Wochen tun. (Wenn Sie diese Frist nicht einhalten konnten, gibt Ihnen der Gesetzgeber nur unter ganz bestimmten Umständen noch eine Chance)

Muss ein Kündigungsgrund angegeben werden? Grundsätzlich nein.

Nur wenn (u.a.)

  • dies im Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder in Ihrem Arbeitsvertrag festgeschrieben ist oder
  • ”außerordentlich” gekündigt wurde.

Ist Betriebsrat vor der beabsichtigten Kündigung beteiligt worden?

Ist das versäumt oder ist er nur unvollständig unterrichtet worden(z. B. wurde nicht mitgeteilt, ob es eine „ordentliche” oder „außerordentliche” Kündigung sein soll oder die Gründe nicht aufgezählt), ist die Kündigung unwirksam. Soll sie trotzdem aufrecht erhalten werden, muss sie von Anfang an -korrekt- wiederholt werden.

Aber: Der Betriebsrat wird nur angehört. Seine Zustimmung ist nicht erforderlich. Auch ein Widerspruch des Betriebsrates macht eine Kündigung nicht unwirksam.

Aber: Die Beteiligung des Betriebsrates hat den Vorteil, dass Ihr Arbeitgeber im Kündigungsschutzprozess nur solche Kündigungsgründe vorbringen kann, die er dem Betriebsrat vorher im Anhörungsverfahren mitgeteilt hatte.

Tipp: Erkundigen Sie sich beim Betriebsrat,

  • ob er überhaupt vor der Kündigung gehört wurde,
  • welche Infos ihm mitgeteilt wurden und
  • wie er sich zur Kündigung geäußert hat.

Schlussfolge:

Sie wissen jetzt, es ist kompliziert.

Lassen Sie sich vom Rechtsanwalt beraten!

Telefon: 0431-780 29 790

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.